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Wie Fußballfans, Männer und andere über Fußball informierte Spezies über die EM denken, ist ja weitläufig bekannt. Wie Tini und ich darüber denken, blieb bislang im Dunkeln und hat auch niemanden interessiert. Letzteres hat sich nicht geändert – ersteres ändert sich im Folgenden:

Aus gegebenem Anlass der Versuch einer Fussballbetrachtung aus dem Osten der Republik. Aus Sicherheitsgründen meiden wir Public Viewing.

Es handelt sich um ein Turnier der Spitzenklasse – so jedenfalls der Kommentator. Kroatien und die Türkei bekriegen sich. Wir wünschen uns, dass die Türkei gewinnt. Das hat übrigens überhaupt gar nichts mit fussballerischem Wissen zu tun. Egal wie das Spiel ausgeht, sollten wir öfter mal Döner essen. Ich muss Tini gleich mal mein Wissen über die Dönerspieß-Herstellung weitergeben. Bis dahin noch eine Frikadelle auf die Faust.

Blau, rot, blau, rot – Tini, wer ist eigentlich wer?
Achso.

Es wird ziemlich schnell klar, dass der Kommentator mit dem selben Elan der momentanen Berichterstattung wohl auch die Live-Übertragungen vom Bodenturnen moderiert. Ruhig, bedächtig, einschläfernd. Seine Schwiegermutter ist bestimmt begeistert, wenn er zur sonntäglichen Erdbeertorte vorbei kommt – sofern er eine hat. Wenn nicht, dann spätestens nach der EM.

37. Jemand, der so ähnlich heißt wie der muslimische Messias, versucht das Tor zu treffen.
Es klappt wieder nicht. Doofmann.

Tini telefoniert und E-Plus sollte sein Netz im Osten unbedingt ausbauen.

43. Ein Mann namens Tuncay hat Stollen ins Knie bekommen. Bounce! Aber nicht absichtlich, sagt der Mann in Blau. Nun gut, sagt der Schiedsrichter. Hmpf, sagt Tini.

Wir stellen fest, dass die Torwärter öfter mal grüne Shirts tragen. Vielleicht gibt es dazu Regeln. Wir können uns nicht entscheiden: Schwarz sieht immer irgendwie gut aus. Aber grün ist wie Waldmeister und Waldmeister ist eh die beste Wackelpuddingsorte.

Halbzeit. Der Kommentator hält jetzt endlich die Klappe und Günni Netzer schaltet sich ein. Den mag niemand. Er hat sich Botox spritzen lassen und die Doku über die Toupets nicht gesehen. Herr Netzer redet von Spekulationen und Elf-Meter-Schießen. Ich bekomme Lust auf Spekulatius und mindestens elf weitere Spaghetti mit Soße. Morgen soll das Wetter gut werden. Eine der aufreibensten Nachrichten am heutigen Abend. Bounce!

Herr Netzer sagt, er habe heute noch keinen Höhepunkt erlebt. Der Schwiegermuttertyp neben ihm blubbert, während der Anzug Falten schlägt, und meint, dass irgendeinem Spieler Viererketten gefielen. Hä? (Schreiben neben Zuhören ist schwierig... Rushdie? Herr Netzer, was hat DER denn jetzt damit zu tun? Morgen kaufe ich mir eine Einführung in den aktuellen internationalen Fussball.)

Es gibt einen karierten Fanblock.
Wenn man Tore einschmilzt, kann man Beine draus machen, sagt die Werbung. Interessant. Recycling ist doch immer wieder eine gute Idee.

„Zurück auf dem Wiener Rasen,“ sagt der Erdbeertortenschwiegersohn. Tini isst Wiener Würstchen – was für ein nebensächlicher Zufall!

Dem Thema Fussball an sich wurde sich in diesem Bericht bisher unzureichend gewidmet – vielleicht ist die sportliche Form in der zweiten Halbzeit besser. Brainstorming!

Der Bruder hat alle Nudeln aufgegessen. Hmpf.

Nihat. Bounce. Jetzt die Blauen. Ins Aus. Nicht ins Tor. Blöde Idee. Pfiff. Es macht mehr Spaß nur indirekt den Fußball zu kommentieren.

Ein Blauer Mann fällt hin. Ein roter Mann fällt hin. Ein gelber Mann mischt bunte Karten.

Bei dieser EM wollen sich die Trainer augenscheinlich besonders interessant machen und springen wie die Dummen am Spielfeldran rum. Als würden diese alten Männer durch ihr hysterisches Rumgekreische noch irgendetwas ausrichten können. Alle wegsperren – nur dann kommen auch so lustige Nasenbohrer-Aufnahmen wie die vom Herrn Löw zustande.

Eckstoß in der 51. Minute. E-Plus hat das Netz scheinbar recht fix ausgebaut. Der Ball hat eine Torphobie. Ich kann ihn verstehen.

Ich verstehe weder die türkischen, noch die kroatischen Spielernamen.

Tini soll das scheiß Referendariat machen, sagt Riem. Weil sie dann unabhängig sei. Ich bin dafür. Aber nur, wenn's in Münster stattfindet.

KazimKazimKazim (Zitat Kolja) geht.

Lutschi antwortet nicht mehr. Dabei sind wir nicht so sehr behindert.

Im Aquarium geht das Licht aus. Die Fische sollen das Fussballelend nicht sehen.

Es gibt mehr Pfefferminzschnaps und ein Abseits – obwohl Torchance – für eine der beiden Mannschaften...

Mein Kochen fand ich geil. Tini muss mir zustimmen.

Tinis Fuß juckt.

Vielleicht war's wieder eine dieser fiesen  ostdeutschen Mücken.

Die Katze ist aufgeregt.

Hat jemand den Silberrücken schon gesehen? Nein? Liegt vielleicht an den schlechten Torchancen der Kroaten.

Tini setzt sich jetzt genau vor den Fernseher um den schönsten Spieler zu finden. Dabei beisst sie sich in den Fuß.

Spielt der Trainer jetzt mit? Oder versucht er vom Spielfeldrand aus Mazdas zu verkaufen?

Kümmel.

Der Ball fliegt übers Tor hinaus. Ein blauer Mann hat Schuld.

Hamit soll sich die Haare schneiden, finden wir. Der Autoverkäufer soll das mal die Luft ablassen, der aufgeplusterte Trainer, der. Der eine blaue Spieler soll sich unbedingt eine Zahnspange zulegen – damit muss doch heutzutage niemand mehr leben, oh Himmel!

Nur wenige Leute fallen heute hin. Nicht wie gestern, als Cristina Ronaldinha gefaked hat, die Kuh.

Oh, schonwieder hat der Ball sein Eigenleben realisiert.

Der Bruder sagt, es würde nix mehr reingehen. Ich meine das Tor, er meint den Magen und bezieht sich auf die Nudeln.

Schonwieder senile Torflucht des Fussballs.

Im Ostdiscount hat Tini eine Trabbikarte gekauft. Der Trabbi ist aber irgendwie falsch designed. Kann man die Karte zurückbringen? Oder sind Regeressansprüche bereits verjährt?

Ecke in der 74. Minute. Ganz schlecht, sagt der Erdbeertortenmann. Heisst der Mann wirklich Rosetti? Und wenn ja, ist er dann tatoowiert?

Topal soll sich auch die Haare abschneiden, meint Tini. Dem Bruder isses egal – er greift zum Käsebällchen. Anschließend wundert er sich über den Text auf der Sektflasche. Was geht hier eigentlich ab? Was ist „suppliciert“?

Kuckuck? Wann wird der Ball endlich gedroschen?

„Anflehen“, isses.

Oh, eene Ooahrfeische! Eene Backpfeife von beeden. Was jeeht hior app?

Der Bruder mag die Trikots der Kroaten. Des Schachbrettes unter den Achseln wegen.

In Wien soll eine komische Stimmung herrschen. Ein morbides Ambiente. Sagen wir alle. Und bekommen absurder Weise – und ekelhaft isses ooooch – Lust auf Wiener Schnitzel.

Der Bruder hat Kopfschmerzen und muss sich an den Kopf fassen. Die Katze ist aufgeregt.

Freistoß für Gürkan. Ach nee, der hat den anderen getreten und nur den Freistoß provoziert. Der Modrige darf schießen. Hoffentlich reisst sich der Ball zusammen!
 Die Katze stresst. Aua.

Der Mann im scharfen Schwarz hat dem Ball in seiner Phobie geholfen. Der Erdbeertortenschwiegersohn ist mindestens so aufgeregt wie die Katze.

Rushdi schießt.

„Er klärt ....blabla....“ - We love Fussball-Vokabular.

Auch Türken haben einen Steiß, stellen wir beim Aufprall des Selben auf die Spielfläche fest.

Dem Bruder gefällt mein Vokabular nicht. Schnauze, Fury!

Der Autoverkäufer macht gerade ein Geschäft mit dem Mazda – der Linienrichter zeigt Interesse und Bein. Der moderne Mann von heute muss sich schließlich auf die Wiedergeburt vorbereiten.

Jetzt erst verstehen wir, warum der Silberrücken noch nicht im Bilde war – er ist gesperrt, informiert uns der Bruder. Na gut. Warum gucken wir eigentlich dann dieses langweilige Spiel?

Normal sei ich nicht, sei überhaupt gar nichts mehr, sagt der Bruder.

Raketitsch – oder wie man den schreibt – rammelt gegen die Bande und kriegt Gelb.

Der Schiedsrichter ist entzückt. Nihat foult. Rot diskutiert. Gelb pfeift. Blau hat den Ball. Kommentator babbelt. Rushdie schmeisst sich auf die Pille.

Und trotzdem nix passiert.

Rushdie hat Nerven wie Drahtseile.

3 Minuten Nachspielzeit.

Der Moderator ist kryptisch, sagt der Bruder, und will ihm trotzdem zuhören.

Drei Mann bauen eine Mauer. Der Moderator pisst sich in die Hose vor Lachen, giggelt Tini, weil Rushdie schonwieder gehlten hat.

„Kopfball – zack – schonwieder,“ kommentiert Tini.

Tony hat kaputte Füße.

Die Käsebälle werden langsam aber sicher vernichtet und finden ihr Ende dort, wo die Sonne nicht scheint und die Spaghetti warten.

Och nö! Zweimal fünfzehn Minuten mehr. Das ist doch shittig, sag ich, und weise Tini darauf hin, dass das Glas nur noch halb voll ist.

Gruppenmassage. Geil. Sauerei!

Oh, es geht schon weiter. Gute Flanke, sagt der Kommentator. Ich persönlich habe nicht hingeguckt.

Tinis Bauch ist mutiert. Meiner auch. Weil wir fressen wie die Irren, sagt Tini. Der Bruder sagt, dass alles ok ist, solange wir keine Verstopfung haben. Diagnose befriedigend. Nein, der Storch war nicht da. Aber wir haben heute einen gesehen. Klapp, klapp, ciguena.

Der kroatische Trainer sieht aus wie ein Franzose – ich kanns nur noch einmal wiederholen. Der Bruder sagt, er wirke eher wie ein Versicherungsvertreter im Aussendienst. Tini spastet und teilt uns ihre Meinung in Klick-Lautsprache mit.

„Auf Wunsch beledern wir ihnen auch die Schlüssellochrosette.“ zitiert der Bruder ein ortsansässiges Autohaus. Was ist hier eigentlich los? Hat denn wirklich niemand mehr Anstand? Sogar Aalfechte wird heutzutage schon obszön in den Dreck gezogen.

Zurück zum Fussball. Ach nee, es geschieht nix. Nihat. (Der einzige Spieler, den ich erkenne.) Aber auch jetzt gibt es keinen Strafstoß. „Die Pfeife bleibt stumm.“

Warum tragen die Trainer alle weiße Hemden? Wer das zu beantworten weiß, bekommt ein Käsebällchen, wenn er möchte.

Alles fließt, sagt Tini, meint das Spiel und will Pfefferminzschnaps mit Sekt mischen.

Senile Feldflucht.

Ich habe schon fünf Seiten geschrieben. Und Schluckauf. Scheiße. Hör auf an mich zu denken, du Penner!

Ich habe nur noch vier Minuten Zeit für das Glas. Wo bleibt der Fussball? Der Waldmeister schießt immer nur ins aus. Waldmeisterschnaps wäre geiler als Pfefferminzschnaps, aber daran müssen wir halt morgen arbeiten. Oh – nur noch drei Minuten. Was das für ein Druck ist!

Puh. Gerade noch fertig geworden. Die Leute auf dem Spielfeld auch. Für die zweite zweite Halbzeit jedenfalls. Und immernoch kein Tor. Was soll das denn? Dann doch bitte wenigstens mal Elfmeterschießen. Das wäre spannend.

Der Mann heißt gar nicht Rushdie, sondern Rüstü. Achso. Egal. Ich habe mich bereits an Rushdie gewöhnt.

Grätsche. 39 Meter Freistoß für die Kroaten. Ach, dran vorbei. Wie erstaunlich.

Der Kommentator meint, das Spiel sei nichts für Fussballästheten. Aha. Interessiert mich nicht, aber ich kann mal einen fragen, ob´s stimmt. Wenn nicht, schmeiße ich mein Studium und werde Fussballmoderatorin.

Nihat. Wie alt ist der eigentlich?

Tini furzt mit dem Mund – auf die Frage hin, ob sie irgendetwas äußern möchte. „Fußball ist ein Arschloch“, sagt das brotherheart. Der Trainer sieht scheiße aus.  Der Spieler auch. Wer denn? Keine Ahnung. Jedenfalls niemand, dessen Namen wir verstehen. Ich könnte mir einen Döner vorstellen.

Pfefferminzschnaps.

Bounce.

Gelbe Pfeife, Nihat, dran vorbei. Warum wusste ich das nur?

Oh – Der Vorspieler der Türken zeigt Bein. Kahveci. Aha. Verletzung, sacht er. Und das in der 116. Minute.

Der Waldmeister wolle ausm Tor rausspringen. Musste er nicht. 117. Minute.

Bruderherz hasst Fussballer, ist aber Fussballfan, mag Hallenhalma und Rugby. Mühle mag er nicht. Ist ihm zu staubig, aber bei Regen bevorzugt er Halma.

118. Minute! Haaaaaaaaaa! Die ollen Kroaten ham n Tor geschossen. Och nö. Warum hab ich nur niiiiie recht, was die Torprophezeihungen betrifft? Fuck you, das hat ma überhaupt nix mit Spielen und Glück zu tun! Der scheiß Erdbeertortenfresser kann noch nicht mal richtig lesen. Bei mir wars die 118. Minute – bei ihm die 119. Idiot. Geh ma Schule, Alder! Wo ist der Silberrücken?

NAAAAAAAAAAAAAIN! Ausgleich! Ich melde mich im Fussballverein an! Morgen! Nein!  Jetzt! Wie lustig. Die Penner. Und niemand hats gesehen, weil alle schon eingeschlafen waren. Rushdie, der alte Literatensucker!  Der Mazda schein vertickt.

Was jetzt?

Massage.
Ich werde auf jeden Fall Fussballerin.
Ich werde auf jeden Fall noch mehr Pfefferminzschnaps zu mir nehmen.
Ich werde dafür sorgen, dass meine Mannschaft von Pfefferminzschnaps gesponsort wird.

Elfmeterschießen.

Achtung: Spannung!
Vielleicht.

Paff, der Kroate hat vorbei gekickt.

Bounce, Arda hat getroffen. Armer Ball. Ich stelle fest, ich habe die ganze Zeit Arda für Nihat gehalten. Mist. Vielleicht doch keine Fussballerkarriere für mich.

Der Kroate hat reingedroschen.

Die Türken beten. Mohammed kommt nicht sturzgeburtsmäßig ins Stadion geplatzt.

Sie treffen und der Geist zappelt wieder ab.

Die Kroaten müssen weiter reinprellen, sonst Sense. Vorbei. Pansen, der doofe Kicker!

Die 22 für die Türken. Noch ein Mazda über den Tisch gegangen?

Jetzt hat´s der Kroate schwer. Aber er hat auch Segelohren. Vorbei.

Die Türkei wird gegen Deutschland spielen! Mamis, holt die Kinder von der Straße! Omas, räumt die Kissen von der Fensterbank! Und wir – wir müssen uns einschließen. Oh Gott, das kann ja heiter werden. Oh Muhamma, das wird ne Sache!

Oh jeh – die Kroaten tun uns leid. Und wir selbst tun uns auch leid. Denn wir wagen nicht zu ahnen, was genau geschehen könnte... oh my very godness, nos cagamos en la puta hostia, tios!

Gracias por su atención, Tini y Sasha.


20.6.08 23:42
 


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