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Zacherl und Guantanamo

Ja, es hat geklappt: ich bin in Valladolid. Nachdem mein Flugzeug dann puenktlich mit 6 Stunden Verspaetung losflog, genoss ich dann doch noch das Flugzeugessen...man goennt sich ja sonst nichts. Sergio, Patricia und Alejandro - alle ehemalige Erasmusstudenten in Muenster - erwarteten mich im 28·C warmen Madrid. Nachdem wir meine Sachen im Hotel abgelegt hatten, bekam ich eine Stadtfuehrung inclusive Bomben-Metro-Fahrt und Fast-Ueberfall...ja, ich sollte gleich das richtige Spanien kennenlernen.

Am naechsten morgen genossen wir Venenschockerkaffee und machten Sergio und ich uns auf den Weg nach Valladolid, das zunaechst nicht unbedingt durch extravagante Architektur bestechen konnte. Dani holte uns ab und ich durfte bei einem ueberdimensionalen Mittagessen gleich meine nicht vorhandenen Spanischkenntnisse praesentieren. Vor Danis versammelter Verwandtschaft war mir das doch sehr unangenehm. Nichts desto trotz trank ich unbeschwert um drei Uhr Nachmittags das erste Glas Wein, ehe wir die Stadt besichtigten. Zum Glueck ist sie gar nicht so haesslich, wie alle sagten. Abgesehen von ausgezeichneten Ghettos verfuegt sie doch ueber einen recht grossen historischen Stadtkern. Zu meinem Schaden ist hier zur Zeit Stadtfest...alle Welt, ob gross oder klein, ob alt oder jung, ist auf der Strasse. In den meisten Faellen stark alkoholisiert, doch immer ausgesprochen hoeflich. Besonders zu mir... so muessen sich auch Zootiere vorkommen...gross und blond - das scheint hier selten zu sein!

Am zweiten Tag machten wir uns auf Wohnungssuche. Da das erste Telefonat nicht so gut verlief ("Ich will nicht an Deutsche vermieten! Ich vermiete nur an Spanier", hatten wir etwas Sorge und ich liebaeugelte bereits mit verschieden Bruecken. Doch die Sorge war unbegruendet: Ich habe insgesamt sechs Wohnungen besichtigt, von denen keine wirklich schlecht war. Nun habe ich mich fuer eine richtig schoene, zentral liegende, renovierte Wohnung entschieden. Ausser mir wird dort noch eine Portugiesin wohnen - eine weitere Mitbewohnerin wird noch gesucht. Wie dem auch sei - ich bin sehr zufrieden und meine Sorgen waren umsonst.

Am ersten Abend in Valladolid gab es ein Konzert einer in Spanien beruehmten Saengerin - Ana Torrojo. Obwohl ich die Texte nicht kannte, war das Konzert einsame Spitze. Und fuer alle, die sich schon immer mal fuer das Privatleben unseres deutschen Starkochs Zacherls interessierten: Er ist Gitarrist in spanischen Popgruppen - ich kann mich unmoeglich getaeuscht haben - er muss es gewesen sein!!!

Gestern Abend wurde ich dann in das Nachtleben Valladolids eingefuehrt und ich glaube, ich werde die Entziehungskur im kommenden Sommer dringend brauchen. Ausserdem verfuegen die Spanier ueber einen unglaublich charmanten Witz bei der Namensgebung ihrer Tanzcafes: Guantanamo...naja... Die Kellner waren aber nicht orangefarben gekleidet....

Soviel fuer den Moment!

Schickt Wasser und Kaelte!

Liebste Gruesse, Eure Lexi.

3.9.06 20:06


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fiesta! fiesta! fiesta!

Costa Cordalis hat's fuer Mexiko vorgemacht - die Vallesolitanos haben von ihm gelernt und ziehen hier das gleiche ab! Seit Tagen! Und es dauert noch bis Montag! Ja, es gibt scheinbar immer guten Grund zu feiern...und am besten feiert man sich selbst! Zum grossen Glueck fuer mich - und zum Nachteil aller Vegetarier - kosten hier am Buedchen ein kuehles Getraenk und ein Leckerchen wie Schinken, Lachs, Bacalao oder Chorizo auf Brot 2 Euro. Und mit Buedchenhopping leasst sich ein Nachmittag sehr angenehm verbringen.

Am Mittag sollte man es tunlichst vermeiden aus dem Haus zu gehen. Dehydrierung und schneller Gedaechtnisverlust sind dann vorprogrammiert - da hilft auch keine Cerveza mit Schinkenbrot. Das Angenehmste fuer mich ist hier eindeutig das Verhalten gegenueber Abfaellen: Steht oder sitzt man an einem Tisch, leasst man einfach alles, was man nicht mehr braucht, auf den Boden fallen. Das macht mir richtig viel Spass! Nach einer Weile scheibt sich dann ein Kellner mit einem Besen durchs Lokal oder durch die Strasse - ist man mit Kleinkindern unterwegs, muss man aufpassen, die nicht inmitten eines ueber den Tag hinweg aufgetuermten Muellhaufens wiederzufinden. Ganz seltsame Kultur - manchmal kaum zu glauben, dass wir in Europa sind.

Doch die eigene Kultur laesst sich schneller ablegen, als man glaubt. Ich habe heute gefruehstueckt und dann von 12 bis 17 Uhr geschlafen, war einkaufen, jetzt bin ich im sogenannten Cibercafé (sprich: siebaerrkaffae) und gleich werde ich mal ein paar Servietten und Becher auf die Kleinkinder schmeissen gehen.

Fiesta, fiesta, Onkel Cordalis!

Eure Lexi.

 

 

7.9.06 20:05


Von Kutteln

Der Mensch lebt nicht von Luft allein - daher soll heute die spanische Kueche mit ihren kulinarischen Eigen...Verzeihung, Koestlichkeiten zu ihrer wohlverdienten Beachtung kommen.

Spaniens Kueche - ach, wer kommt da nicht ins Schwelgen. Vor dem geistigen Augen schweben hauchzarte Schinkenscheiben nebst ebenso duennen Kaesevariationen, ie spanische Salami - Chorizo - ob pur, auf Brot oder in Tortillas. Tortillas - eine spanische Erfindung, die Hochachtung verdient. Typisch zubereitet: nur mit angebratenen Kartoffelstuecken und Eiern - doch die Vielfalt an Variationen kennt keine Grenzen. Tapas! Zuverlaessige Barmaenner pflegen einen bunten Strauss an Angeboten an hinter ihrer Theke zu beherbergen - von der Olive bis hin zu Foie de gras kann dem Tapasesser alles passieren. Doch dann die Vollendung! Der spanische Dauerbrenner! Der "Bestseller" eines jeden Restaurants - ob an der Kueste mit Meerefruechten oder im Inland mit Lamm- oder Huehnerfleisch zubereitet: die Paella! Sozusagen der finale Genickschuss fuer jeden Feinschmecker!!!

So lebt man gern. Ja. Besonders zur Zeit der Feria. Man zieht durch die Strassen und genehmigt sich hie und da mal ein Getraenk - dazu kann man sich ein "pincho" aussuchen - eine Kleinigkeit zu essen... Man ist sich quasi "durch". Doch was, wenn man mal wieder auf gut Glueck etwas bestellt hat, dessen Nahmen man nicht kennt. Dann wundert man sich manchmal. Und dann holt man beim Anblick der "Sache" doch noch schnell in der Oeffentlichkeit - die einen sowieso sofort als Deutsche enttarnt - das Woerterbuch aus der Tasche. "Ach ja. Kutteln." Sagt man dann zu dem seltsam anmutenden Fleischzeug und versucht vor anwesenden Spaniern den Wuergreiz zu verbergen. Aber wie tapfer bleiben, wenn das Pokerface versagt und das Gesichtskino jegliche Magenbewegungen nachahmt?

Natuerlich bemerken die Spanier gleich, das etwas nicht stimmt, lachen und sagen, dass man doch am Tag zuvor die gebratenen Schweineohrenstueckchen auch gern gegessen habe......

Die Spanier verfuegen alle - ob jung oder alt, ob Fleischer oder nicht - ueber herausragende Kenntnisse, was Fleisch betrifft. Was bei uns mit "N Stueck Fleisch" und "Is' vom Schwein" (oder eben vom Rind oder sonst woher) bezeichnet wird, ist in spanischen Koepfen genau kartographiert. Und verdammt - die essen echt alles. Ich habe mir das mal erklaeren lassen und am Ende fast geglaubt, dass die das, was wir essen, wegschmeissen. Sogar die Nase vom Schwein. Mann, und dabei habe ich die Vegetarierin unserer Erasmusgruppe anfangs sehr bemitleidet um die Genuesse, die ihr entgegehen. Denn etwas ohne Fleisch hier zu finden, ist wirklich, wirklich schwierig. Ich schwoer.

 

 

13.9.06 21:56


Bad hair day

Seit ich hier bin, habe ich ein nicht enden wollenden Bad hair day. Alle Frauen wissen, was das bedeutet: Depressionen. Minderwertigkeitskomplexe. Selbstmordgedanken.

Es muss an der Haarstrucktur liegen. Ich bin mir sicher. Anders kann es nicht sein. Oder warum sollten spanische Frauen von morgens bis abends perfekt sitzende Frisuren haben und ich nicht? Zwar sind auch Frauen (und Maenner) mit sehr exotischen Schnitten zu beobachten - heute sah ich eine Frau mit langen Haaren und einem kleinen quergesetzten Hahnenkamm - doch so schlimm wie ich, sieht niemand aus. 

Abgesehen von der perfekten Hollywoodfrisur, stimmt auch das outfit. Die meisten Frauen haelt man automatisch fuer Akademikerinnen in Fuehrungspositionen. Und alle laufen auf high heels. Bei Kopfsteinpflaster - versteht sich. In Muenster habe ich das mal mit 4 cm Absaetzen versucht und bin klaeglich gescheitert, also gestolpert. Denen hier wird's scheinbar in die Wiege gelegt. Abgesehen davon kann ich momentan meine "schicken" Schuhe mit Absatz gar nicht anziehen. Dass ich damit hier Leutturmformat einnehmen wuerde, ist ja egal, doch passen meine immernoch nicht an die Hitze gewoehnten Mammutfuesse einfach nicht rein. Geht nicht. Auch nicht nach kalt abduschen und hochlegen.

Nach all dem habe ich mir weitenvariable FlipFlops gekauft. Ueber eine Muetze denke ich noch nach...probiers vielleicht nochmal mit richtig viel Haarspray...

13.9.06 22:10


Takashis castle und die polnische Rolle

Seit meiner Ankunft habe ich jede Menge Leute kennengelernt. Die wenigsten von ihnen sind Spanier. Und wenn es Spanier sind, koennen sie meistens Deutsch. Mit den Spaniern ist es also sehr schwer ein spanisches Gespraech zu fuehren. Da sie sowieso ueber ein akustisch recht starkes Organ verfuegen und meistens Wortfuehrer sind, ist ein Spracherwerb in Unterhaltungen mit ihnen kaum moeglich.

Anders ist es mit den Auslaendern. Der gemeinsame Wille Spanisch zu erlernen schweisst uns zusammen. Und auch die Tatsache, dass kaum jemand Englisch spricht... So lerne ich jetzt Spanisch mit meiner portugiesischen und meiner portugiesisch-franzoesischen Mitbewohnerin. Das klappt ganz gut.

Einen der letzten Abende verbrachten wir mit Freunden von Rike. Sie sind Japaner. Wirklich drollig, der japanische Akzent im Spanischen. Aber der deutsche soll sich auch sehr nach Waldarbeitern anhoeren. Dass Spanier wirklich verdammt viel trinken - also Alkohol - das wussten wir ja. Aber Japaner? Mein vorurteilsbelasteter schmaler Geist war immer der Ueberzeugung, dass Japaner Algen essen und Aloe Vera-Wasser trinken. Aber gut. Sie trinken jede Menge Bier, Wein, Kurze und Cocktails. Und zwar an einem Abend und skandaloeser Weise auch noch durcheinander! Takashis ueberaschender und vor allem lautloser und unbemerkter Abgang jedoch brachte die Frage auf, wie die beruehmte "polnische Rolle" -  also ein Abhauen ohne Bescheid zu sagen - wohl ausserdem bezeichnet wird. Im Spanischen, im Franzoesischen und im Japanischen gibt es jeweils aequivalente Bezeichnungen - und zum Erstaunen aller Anwesenden immer mit anderen Nationalitaeten. Liebe Leser, ich bitte um weitere Angebote: Wie heisst die polnische Rolle noch? Und braucht das Ding, was man an der Kasse vor und hinter seine Waren packt, wirklich einen Namen? Und wieso kann Daniel Bruehl Spanisch?

15.9.06 12:14


"Tiene luz!" - Es hat Licht"

Ja, die kleinen Freuden des Alltags - es gibt sie noch. Waehrend mein Kommilitone Jojo hocherfreut mit seinem Feuerzeug mit Taschenlampenfunktion Valladolid erkundet, freut sich Mit-Erasmusstudentin Rike ueber ihren neuen kleinen Struppi, den sie kuerzlich erworben hat. (Es handelt sich dabei zwar nur um eine Weste mit Kunstpelzkragen, doch sagen wir ihr das nicht. Es koennte ihre Gefuehle verletzen.) Und so laufen wir drei frohen Mutes durch Spanien.

Gestern allerdings geschah es. Es legte sich ein Schatten ueber unsere sonnige Stimmung. Wir hatten es irgendwie erwartet, doch traf es uns unverhofft....

18 Uhr Mitteleuropaische Zeit: Das erste Treffen der Erasmusstudenten. Die Semana de bienvenido. Die "Begruessungswoche". Rike, Jojo und Lexi betreten das Universitaetsgebaeude. Und dann ist er ploetzlich da. Der Schatten. Erasmusstudenten aus aller Welt sind versammelt. Eigentlich ein Moment der Freude und Ausgelassenheit - diese Vielfalt, diese interkulturelle Inspiration!!!

... und dann die anderen Erasmusstudenten aus Muenster. Perlenohringe und hochgestellte Lacoste-Polohemden-Kragen vernebelten unsere sonst in rosarotes Licht gehuellten Blicke. Kein Laecheln, kein "Hallo. Na?", kein "Schon 'ne Wohnung?". Da war nichts. Nur Kaelte. Und Schatten.

Doch Rike, Jojo und Lexi haben sich erholt. "Mañana wird alles besser," sagten sie sich und erholten sich mit Bier und Limo vom Lidl. "Tiene luz!" - Es gibt immer ein Licht am Ende des Tunnels... 

17.9.06 14:10


Begruessungsrituale

Heute ein kleiner Beitrag zur Beobachtung der interkultuerellen Verstaendigung.

Waehrend man sich in Deutschland zur Begruessung kuehl die Hand entgegenstreckt, wird sich in Frankreich dreimal gekuesst und in Spanien zweimal - mit der linken Seite angefangen - angeschmatzt. Der anfangs befuerchtete Herpes blieb bisher aus.

Doch vielmehr soll es heute um die ganz spezielle Beziehung zwischen den Spaniern und Deutschen gehen. Im Grossen und Ganzen sind wir sehr zufrieden. Die Spanier sind durchweg freundlich zu uns und ueberall werden wir mit offenen Armen - bzw. mit zum froehlichen losschmatzen angefeuchteten Lippen - empfangen. Die Spanier freuen sich teilweise so sehr Deutsche zu sehen, dass sie uns auf der Strasse zurufen. Und dann rufen sie die unterschiedlichsten Sachen. Manchmal sind das dann Worte wie "Alemana!" oder (uebersetzt) "Deutsche!" So sehr freuen sie sich ueber ihren Besuch.

Sie haben extra fuer uns ein paar deutsche Begruessungen auswendig gelernt. Reizend, nicht wahr. Manchmal sind die Begruessungen etwas antiquiert - doch sie geben sich ja Muehe, die Spanier. Sie wollen uns ja nur gebuehrend empfangen! Und dass "Sieg heil!" nicht mehr zeitgemaess und angebracht ist, koennen sie ja nicht unbedingt wissen... Sie meinen es doch nur gut! Die Begruessung mit der erhobenen rechten Hand kommt mir allerdings etwas seltsam vor...

Naja. Wie dem auch sei. Sie freuen sich ueber unseren deutschen Besuch. Vorgestern freute sich ein Señor sogar so sehr, dass er ganz aufgeregt war uns sich zur Beruhigung vor uns befriedigen musste.

Obwohl ich immernoch Angst vor Herpes habe, ist mir dieses Rumgeschmatze dann doch irgendwie noch am liebsten.

20.9.06 13:10


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